Tommy Saturday

The Boogeyman, the dream stalker, Baron Samedi

Description:

Tommy fällt jedem sofort auf. Er ist nicht nur etwas über 2m groß, sondern gleichzeitig sehr dünn und ein Schwarzer. Sein schwarzer Zylinder unterstreicht dies noch. Passend dazu trägt er immer einen schwarzen Anzug. Mal mit einem Hemd, mal mit bloßer Brust. An besonders guten Tagen verziert er seinen Oberkörper und sein Gesicht auch mit weißen Zeichnungen, die ein wenig an den Día de los Muertos und Vodoo erinnern. Er hat gut schulterlange Dreadlocks und trägt meistens einen Spazierstock und Handschuhe. An seinem Zylinder trägt er ein Hutband mit kleinen Totenköpfen und verschiedenen kleinen Tierfedern. Oft ist er mit einem Juterucksack unterwegs und wer ihn besser kennt, der weiß, dass er in seinem Jacket allerlei Horrordinge mit sich führt, wie lebende Spinnen, Plastikschlangen, kleine Rauchbomben und ähnliches. Sein Gehstock ist auch nicht ganz so harmlos, wie er aussieht, denn er hat eine versteckte Klinge. Gefährlicher ist aber eigentlich die Tatsache, dass er nie ohne Schusswaffe aus dem Haus geht.

In der wahre Gestalt ist seine Erscheinung recht ähnlich, aber noch extremer. Er wirkt noch leicht größer und dünner und wenn man neben oder vor ihm steht, dann wirkt es so, als würde er sich über einen beugen, besonders wenn er spricht. Sein Mund steckt voller spitzer Zähne und seine Hände sind regelrechte Klauen. Seine Augen funkeln rot. In seinem Haaren und seiner Kleidung hängen Hühnerfüße und andere Tierteile, die man vom Vodoo kennt. Auch scheinen an ihm kleine Tierchen zu wohnen, denn ab und zu sieht man es mal am Kragen oder anderen Stellen krabbeln. Seine ganze Erscheinung ist immer etwas in Bewegung, denn auch bei Windstille scheint immer ein Lüftchen an ihm zu zupfen.

Tommy weiß eine Menge, zumindest scheint er mal ein gebildeter Mensch gewesen zu sein, bevor er entführt wurde. Sein besonderes Interesse gilt immer noch den Träumen. Doch die Zeit hat ihre spuren an ihm hinterlassen und so kann er sich seiner Haut gut erwehren, sei es mit seinen Klauen und Zähnen oder viel lieber noch mit einer Schrotflinte. Was er aber am allerbesten kann ist, sich zu verstecken. Wenn Tommy sich in einer dunkle Ecke stellt, dann ist er auch für Leute, die ihn dabei beobachten auf einmal einfach verschwunden.

Wenn er einmal Zeit übrig hat, dann findet man ihn eigentlich nur bei zwei Dingen: Entweder er treibt sich an Übergängen in die Hecke herum um Menschen fast zu Tode zu erschrecken. Er behauptet immer, dass es nur zu ihrem Besten ist. Oder er kifft. Gerne auch einmal tagsüber am Strand, auch wenn er eigentlich gar kein Freund der Sonne ist. Eigentlich ist er sogar komplett ein Nachtmensch. Hin und wieder trifft man ihn auch an der Hintertür eines Horrorkinos in Miami, wo er sich einschleicht, um sich an der Angst der Kinobesucher zu laben.

Bio:

Interview mit einem Boogeyman

Das alte Haus war schon jahrelang unbewohnt. Ein sehr merkwürdiger Treffpunkt für ein Interview, aber das waren die Recherchen auch gewesen. Vor Wochen hatten mir unabhängig voneinander mehrere Freunde erzählt, sie seien in verschiedenen Parks oder außerhalb der Stadt von einem grotesken Typen angefallen worden. Alle waren sich darin einig, dass es ein riesiger dürrer Schwarzer gewesen ist, mit Klauenhänden, einem Mantel und Hut. Alles in Schwarz. Danach gab es dann Unterschiede. Mal tauchte zuvor plötzlich Nebel auf, ein anderer hatte ein rotes Leuchten gesehen, mal waren die Klauen angeblich blutbeschmiert und sein Gesicht eine Fratze voller Reißzähne und einer hat behauptet, dass aus dem Unterholz Schwärme von Insekten gekrabbelt kamen. Jeden von ihnen hat er unter gruseligen Geräuschen ein Stück verfolgt, um dann so schnell zu verschwinden, wie er aufgetaucht ist. Eigentlich eine alberne Geschichte und solche Verrückten gibt es überall. Oder es war ein besoffener Penner. Irgendwie lies mir die Geschichte aber keine Ruhe, also habe ich mich umgehört. Meine Freunde hatte die Begegnung auch ziemlich mitgenommen, daher wollte ich wenigstens das für sie tun. Ich war ziemlich überrascht, als ich noch mehr Opfer des Irren fand. Auf einmal war ich einer Story auf der Spur.

Meine Recherchen haben mich schließlich zu diesem Haus geführt. Über mehrere Ecken hatte ich irgendwann jemanden gefunden, der diesen “Tommy Rawhead“ angeblich kannte und er wollte mich hier treffen, mitten in der Nacht. Also bin ich hier und suche mir einen Weg zur Tür. Wenn das eine Falle ist, dann wird meine Mutter einen bösen Anruf bekommen. Die quietschende Tür wird ihn auf jeden Fall gewarnt haben. Wo in dem Haus er wartet, dass hat er auch nicht gesagt. Mist, aber wenigstens habe ich an eine Taschenlampe gedacht. Irgendwo wird er ja sein.

“AAAHH! Verdammt, haben Sie mich erschreckt!“ Die Gestalt überragte mich bestimmt um einen Kopf oder mehr. Was ich für Schranktüren hielt, waren ihre Jackeknöpfe. Riesig, dürr, schwarz, Anzug und Hut, wie er mir schon beschrieben wurde. Dazu ein Gehstock und weiße Bemalung im Gesicht, wie ein Überbleibsel eines Vodoo-Loas aus der Karibik. Der Typ musste einen Knall haben. Ohne ein Wort zu sagen schaltet er eine Funzel von einer Schreibtischlampe ein und setzt sich.

“Die haben mich gefunden, sehr hartnäckig von ihnen.“

“Danke.“ Ich setzte mich auch und holte mein Tablet raus.

“Keine Fotos,“ sagt er sofort.

“Okay. Mein Name ist Fisher, Mr., wie heißen Sie eigentlich?“

“Die können mich Tom nennen.“

“Gut, Mr. Tom. Sie verschrecken also nachts einsame Spaziergänger? Ist das eine Art Hobby,“ entschied ich mich gleich in die vollen zu gehen. Dieser Typ war mit sehr suspekt. Ich konnte kaum sein Gesicht erkennen. Wieso macht der brumm sprechen eigentlich immer so merkwürdige Geräusche nebenbei? Ein Sprachfehler?

“Ich halte nur Wache. Schreiben Sie das. Dort, wo ich auftauchte ist es gefährlich. Dort sollen sich Menschen wie Sie und ihre Freunde nicht blicken lassen. Vor allem nachts nicht, aber am besten niemals. Machen Sie eine Absperrung drum oder sowas.“

“Und das soll ich einfach so schreiben? Soll ich es unter Verkehrsnachrichten oder Wetter setzen, oder wie haben Sie sich das vorgestellt? Ein bisschen mehr brauche ich schon.“

“Dann schreiben Sie, dass dort etwas sehr gefährliches lauert. Es wird Sie in seine Welt ziehen und dort wünschen Sie sich, Sie wären nie geboren. Wenn Sie ein Messer oder eine Pistole dabei haben, dann bringen Sie sich am besten sofort um, sobald Sie dort sind sich etwas komisch anfühlt, als wäre die Welt eben ein bisschen neben sich gerückt. Das ist für Sie das Beste.“

Was ist denn das für eine Scheisse? Der ist ja noch viel irrer als es überhaupt geht. “Ähhh… Mr. Tom, das hört sich für mich sehr abenteuerlich an. Ich weiß nicht, ob mein Vorgesetzter mich so etwas schreiben lässt. Ich würde ja wirklich gerne, denn ihre Warnung klingt sehr eindringlich, aber Sie verstehen…? Wenn Sie mir etwas über dich erzählen könnten, dann habe ich mehr Chancen. Schicksale sind immer gut. Immerhin wohnen Sie ja hier in einem halb verfallenen Haus. Wie kam es denn dazu?“ Vielleicht zieht ja die Chef-Karte, sonst war das alles umsonst.

“Angst.“

“Was?“

“Angst, Furcht, das ist das Persönliche. Das wollten Sie doch. Ich war dort, ich wurde in deren Welt gezogen und dort gab es nur Angst. Wilde Träume, Albträume, die einen jagen, lebendige Bücher und unbeschreibliche Monster. Nichts, was Sie sich vorstellen können, nichts, was man bekämpfen kann. Ich habe dort nur überlebt, weil ich mich verstecken konnte. Und durch die Angst, die Angst, die mein Freund wurde. Darüber sollten Sie auch nachdenken. Angst ist ein guter Freund und hält die hoffentlich von den Orten fern, die Ihnen gefährlich werden.“

Okay, er ist verrückt, aber vielleicht kann ich das ins Halloween-Special packen. Aber irgendwie… er bringt es schon verdammt gut rüber, verdammt gruselig, als wäre es wirklich passiert. Na ja, vielleicht ist es das ja auch, in seinem Kopf. “Das klingt ja sehr schlimm. Und wie sind Sie von dort zurück gekommen? Wenn es ihnen gelingt, dann schaffen das sicher auch andere.“

Er lacht kurz auf. “Viel Glück dabei. Ich weiß nicht, warum ich entkommen konnte. Angst verleiht ja bekanntlich Flügel, aber ich hatte vielleicht auch nur Glück. Aber glauben Sie ja nicht, dass es einfach war. Man muss es aus tiefstem Herzen wollen und bis zum letzten bisschen kämpfen und dann noch etwas weiter. Am Ende hat mich diese Flucht auch genauso verändert wir meine Zeit bei den Anderen, ich wurde Teil der Jagd und zum Jäger. Nur so und mit der Hilfe von andren Geflohenen gelang es mir hierher zurück.“

“Sehen Sie, es gelingt auch anderen. Das macht doch Hoffnung.“

“Die Meisten, die dabei halfen sind tot.“

“Oh.“

“Von Monstern gefressen, von Häschern gefunden und zurück gebracht oder gleich an Ort und Stelle zerfetzt, an giftigen Pflanzen gestorben…“

“Ich glaube, ich habe es kapiert.“ Widerlich, wie er das erzählt. Und diese Geräusche, die er dabei macht und dann das Krabbeln. Oder kommt das aus den Dielen? Besser gar nicht drüber nachdenken. Hauptsache ich bin hier bald fertig und kann hier raus. “Und warum erschrecken Sie nun unschuldige Passanten?“

“Ich erschrecke die nicht, ich mache ihnen Angst, damit sie nicht mehr an die Orte gehen, die gefährlich sind. Auch wenn Sie es nicht verstehen, aber ich will Ihnen helfen.“

“Doch, das klingt doch nett. Passt gar nicht zu ihrer Geschichte eben.“ Das klingt total dämlich. Helfen, indem man Leute zu Tode ängstigt?

“Nur weil ich Schlimmes erlebt habe, muss das anderen ja nicht genauso gehen. Ich kenne mich immerhin mit Träumen und den Anderen aus.“

“Sie können sich damit aus? Sind Sie Wissenschaftler? Sie haben doch sicher auch etwas anderes gemacht, bevor Sie “entführt“ worden sind.“ Entführt, wahrscheinlich waren es doch Aliens.

Jetzt hat er gezuckt, Volltreffer! Da hat er wohl zu viel gesagt. Mal schauen, was ich da noch rausholen kann. “Das tut nichts zur Sache!“

“Denken Sie doch noch einmal an die persönliche Note, Mr. Tom. Stellen Sie sich die Geschichte vor: Wissenschaftler entdeckt gefährliche Welt hinter unseren Träumen! Bei dem Versuch die Welt zu warnen wird er verkannt und ist zu einem Leben am Rande der Gesellschaft gezwungen. Das KANN mein Chef gar nicht ablehnen.“

“Sie haben ja gar keine Ahnung… Ich war tatsächlich Somnologe. Aus Haiti eingewandert in ihr schönes Land, um zu studieren. Daher kenne ich die Träume. Eigentlich wollte ich nur anderen Menschen mit ihren Albträumen zu helfen.“

Somno…was? Muss ich nachschlagen. Das wird eine gute Geschichte. “Vielen Dank, Mr. Tom, für Ihre Zeit und dass Sie uns beschützen. Gibt es sonst noch etwas, dass Sie erzählen möchten?“

“Nein. Vergessen Sie nicht: keine Fotos, keinen Namen, keine Orte! Und,“ er beugt sich bedrohlich vor, “wenn Sie gehen, drehen Sie sich an der Tür keinesfalls um!“

Auf einmal war es stockfinster. Und totenstill. Er muss wohl die Lampe ausgeschaltet haben. Ich hab ja noch meine Taschenlampe. Nanu, sein Stuhl ist auch leer. So schnell kann er doch gar nicht weg sein. Vielleicht finde ich ja noch etwas, dass er liegenlassen hat oder eine..

“Gehen Sie!“

Wow, wo kam das her? Schnell weg. Wenn ich nur… ah, da ist die Tür. Aber war da mich gerade ein Geräusch hinter mir? Scheisse, ich bin völlig fertig, es ist auch schon Mitternacht. Also ab durch dieses Gestrüpp von einem Vorgarten. Ist das überhaupt der Vorgarten oder habe ich aus Versehen die Hintertür erwischt? Es wird auch schon hell und hier ist alles voller Dornenbüsche…

“Weg da! Zurück!“ Irgendetwas monströses, schwarzes Großes schießt brüllend an mir vorbei. Es stößt mich zurück und stürzt sich auf irgendwas in den Büschen. “Sieht irgendwie aus wie Mr. Tom, der der hatte doch keine Klauen,“ denke ich noch, bevor mein Hinterkopf auf den Dielen aufschlägt und alles um mich herum schwarz wird.

Tommy Saturday

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